„Immer hat es
Kampf und Kriege gegeben, aber was hier
dunkel und
unaufhörlich vorüberzieht, das ist die furchtbarste
Form, in die
der Weltgeist bis jetzt das Leben gestaltet hat. Und
gerade weil
diese Massen so grau und eintönig sich
voranwälzen, um
sich vorn hinter den Dämmen zu einem
Becken voll
ungeheurer potentieller Energie zu speichern,
gerade deshalb
erwecken sie den Eindruck der reinen Macht,
deren Idee sich
wie ein elektrischer Strom auf den einsamen
Zuschauer
überträgt. Das ist ein Eindruck von einer berauschenden Nüchternheit, wie sie
sich ähnlich nur in Zentren
unsrer großen
Städte oder in den Vorstellungen der Kraftfelder
nach den
Begriffen der modernen Physik offenbart. Hier steckt
schon ein
cäsarischer Wille, der den Ausmaßen der Masse
gewachsen ist.
Was sich hier vorbereitet, ist schon eine Schlacht
im Sinne einer
ganz neuen Zeit.
Eben noch, als
ich drinnen mit den Kameraden
beisammensaß,
deren Lachen verworren durch das abgeblendete
Fenster klingt,
war ich ganz der Sohn einer alten Zeit, und es
schien mir, daß
übermorgen alte und heilige Symbole neuen
Zielen
entgegengetragen werden sollten. Aber hier scheint der
Seidenglanz der
Fahnen zu verblassen, hier spricht ein bitterer
und trockener
Ernst, ein Marschtakt, der die Vorstellung von
weiten
Industriebezirken, Heeren von Maschinen,
Arbeiterbataillonen
und kühlen, modernen Machtmenschen
erweckt. Hier
spricht das Material seine eisenharte Sprache und
der überlegene
Intellekt, der sich des Materials bedient. Und
diese Sprache ist
entschiedener und schneidender als jede andere
zuvor.
Aber was sind
das für Menschen, die sich ihrer Zeit nicht
gewachsen
fühlen? Wir schreiben heute Gedichte aus Stahl und
Kompositionen
aus Eisenbeton. Und wir kämpfen um die Macht
in Schlachten, bei
denen das Geschehen mit der Präzision von
Maschinen
ineinandergreift. Es steckt eine Schönheit darin, die
wir schon zu
ahnen imstande sind, in diesen Schlachten zu
Lande, auf dem
Wasser und in der Luft, in denen der heiße
Wille des
Blitzes sich bändigt und ausdrückt durch die
Beherrschung
von technischen Wunderwerken der Macht. Und
ich kann mir
wohl vorstellen, daß später eine Einstellung
möglich ist,
die diesen Äußerungen einer mit einem mächtigen
Tatsachensinn
begabten Rasse gegenübersteht wie etwa eine
prächtige
Orchidee, die keiner anderen Berechtigung bedarf als
ihrer Existenz.
Alle Ziele sind
vergänglich, nur die Bewegung ist ewig, und
sie bringt
unaufhörlich herrliche und unbarmherzige Schauspiele
hervor. Sich in
ihre erhabene Zwecklosigkeit versenken zu
können wie in
ein Kunstwerk oder wie in den gestirnten
Himmel, das ist
nur wenigen vergönnt. Aber wer in diesem
Krieg nur die
Verneinung, nur das eigene Leiden und nicht die
Bejahung, die
höhere Bewegung empfand, der hat ihn als Sklave
erlebt. Der hat
kein inneres, sondern nur ein äußeres Erlebnis
gehabt.
Hier fließt es
vorbei, das Leben selbst, die große Spannung,
der Wille zum
Kampf und zur Macht in den Formen unserer
Zeit, in
unserer eigenen Form, in der trotzigsten und
wehrhaftigsten
Haltung, die man sich denken kann. Vor diesem
mächtigen und
unaufhörlichen Vorüberfluten zum Kampf
werden alle
Werke nichtig, alle Begriffe hohl, man empfindet
die Äußerung
eines Elementaren, Gewaltigen, das immer war
und immer sein
wird, auch wenn es längst keine Menschen und
keine Kriege
mehr gibt.“
Seite 105 und 106