Synagogengasse in Heilbronn
Können Sie sich eine derartige Meldung in unseren Tagen vorstellen: Die Stadtverwaltung und der Gemeinderat der Stadt Heilbronn haben Plänen zugestimmt, daß nach dem Umzug der Jaeger-Filmtheater aus den Gebäuden zwischen Heilbronner Stimme und ehemaliger Hauptpost an der Allee und dem Abriß der Nachkriegsbauten an dieser Stelle wieder die einst durch die Nazis zerstörte Heilbronner Synagoge wiederaufgebaut wird.
Warum sollte nicht heute möglich
sein, was vor hundert Jahren in Heilbronn in Gang gesetzt worden war? Und an
die Stelle der alten Filmbühne unmittelbar neben dem neuen Volksbank-Gebäude
wird der Bau einer Moschee geplant. An der Prachtstraße Heilbronns, der Allee,
zwei neue Gotteshäuser? Das könnte der Stadt Heilbronn zur Zierde gereichen.
Die Bürger dieser Stadt hatten vor rund einhundert Jahren den Mut, derartiges
zu genehmigen. Mut und ein großer Toleranzgedanke schienen damals weiter
verbreitet zu sein als heute. Bedenkenträger melden sich zuhauf zu Wort, wenn
es darum geht, daß fremde christliche Religionen oder Muslime ein Gotteshaus
bauen wollen. Bei jüdischen Gotteshäusern, die demnächst bei Anwachsen der
jüdischen Gemeinden anstehen, wird man sehen, wie sich unsere schwankenden
Kommunalpolitiker gebärden. Ich kann mir beim besten Willen kaum vorstellen,
daß an der Allee Heilbronns irgendwann wieder einmal ein Synagoge (oder gar
eine Moschee) gebaut werden könnte. Irgendwo in einem Heilbronner
Industriegebiet – ja. Aber mitten in der Stadt? Dabei wäre es durchaus
angebracht, wenn unsere Wohlmeindenden sich für den Wiederaufbau des jüdischen
Gotteshauses einsetzen würden. In anderen Ländern Europas hat man das schon
längst getan. Die Heilbronner Synagogengasse würde somit wieder mit Fug und
Recht ihren Namen tragen.
09.07.1997, Autor: JDUeckert
09.07.1997, Autor: JDUeckert
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