Donnerstag, 28. August 2014

25. März 2014 - Kiliansmännle

Synagogengasse in Heilbronn

Können Sie sich eine derartige Meldung in unseren Tagen vorstellen: Die Stadtverwaltung und der Gemeinderat der Stadt Heilbronn haben Plänen zugestimmt, daß nach dem Umzug der Jaeger-Filmtheater aus den Gebäuden zwischen Heilbronner Stimme und ehemaliger Hauptpost an der Allee und dem Abriß der Nachkriegsbauten an dieser Stelle wieder die einst durch die Nazis zerstörte Heilbronner Synagoge wiederaufgebaut wird. 
Warum sollte nicht heute möglich sein, was vor hundert Jahren in Heilbronn in Gang gesetzt worden war? Und an die Stelle der alten Filmbühne unmittelbar neben dem neuen Volksbank-Gebäude wird der Bau einer Moschee geplant. An der Prachtstraße Heilbronns, der Allee, zwei neue Gotteshäuser? Das könnte der Stadt Heilbronn zur Zierde gereichen. 
Die Bürger dieser Stadt hatten vor rund einhundert Jahren den Mut, derartiges zu genehmigen. Mut und ein großer Toleranzgedanke schienen damals weiter verbreitet zu sein als heute. Bedenkenträger melden sich zuhauf zu Wort, wenn es darum geht, daß fremde christliche Religionen oder Muslime ein Gotteshaus bauen wollen. Bei jüdischen Gotteshäusern, die demnächst bei Anwachsen der jüdischen Gemeinden anstehen, wird man sehen, wie sich unsere schwankenden Kommunalpolitiker gebärden. Ich kann mir beim besten Willen kaum vorstellen, daß an der Allee Heilbronns irgendwann wieder einmal ein Synagoge (oder gar eine Moschee) gebaut werden könnte. Irgendwo in einem Heilbronner Industriegebiet – ja. Aber mitten in der Stadt? Dabei wäre es durchaus angebracht, wenn unsere Wohlmeindenden sich für den Wiederaufbau des jüdischen Gotteshauses einsetzen würden. In anderen Ländern Europas hat man das schon längst getan. Die Heilbronner Synagogengasse würde somit wieder mit Fug und Recht ihren Namen tragen.
09.07.1997, Autor: JDUeckert

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